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«Kleine Gesten können Leben retten»

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ist gemeinsam mit dem Basler Bischof Kurt Koch Protektor der Kinderhilfe Bethlehem. Er begleitet das Werk schon seit vielen Jahren und hat eine besondere Beziehung zu den Menschen im Heiligen Land.

Herr Dr. Zollitsch, wie hat sich die Situation in den vergangenen Jahren verändert?

Ich erlebe das Heilige Land heute gespaltener denn je. Die räumliche Trennung zwischen Israelis und Palästinensern führt dazu, dass sich die Menschen nicht mehr begegnen können. Früher war das immer noch irgendwie möglich. Die Menschen entfremden sich voneinander und damit schwindet das Verständnis füreinander. Das macht einen Frieden, eine Annäherung nicht leichter.

Welche Rolle spielen die Christen in dem Konflikt?

Christliches Leben ist nicht wegzudenken von den Orten, an denen Jesus Christus gelebt hat und wo sich die ersten Gemeinden versammelt haben. Die Christen im Heiligen Land wollen und können eine Brücke zwischen den Religionen und den Menschen sein – das Caritas Baby Hospital ist nur ein Beispiel, wie das aussehen kann.

Warum engagieren Sie sich für die Kinderhilfe Bethlehem?

Nicht nur Christen brauchen ihren Platz im Heiligen Land, sondern auch das «Christsein» muss im Land präsent sein. Alle Menschen in dieser Region sollen die positive und verbindende Kraft des christlichen Glaubens in ihrem Alltag spüren – wie im Caritas Baby Hospital. Getragen von christlichen Werten wirkt es mitten unter den Menschen über alle Religionsgrenzen hinweg.

Trotz aller Anstrengungen hat sich die Situation in den vergangenen Jahren nicht verbessert.

Wir müssen realistisch sein. Unsere Hilfe allein kann keinen Frieden in die Region bringen. Aber wir können alles dafür tun, dass gute Initiativen auf frucht- baren Boden fallen. Nehmen Sie den Besuch von Papst Benedikt im Caritas Baby Hospital. Er hat die Arbeit der Ärzte und Schwestern in den Mittelpunkt gerückt und gezeigt, dass es Lichtblicke in diesem Konflikt gibt, die dazu motivieren, sich einzubringen. Gerade am Baby Hospital sehen wir, wie wichtig auch die kleinen Gesten sind. Sie retten Leben! Und Leben ist die Grundvoraussetzung, um miteinander Frieden zu schliessen.

Der An- und Umbau des Caritas Baby Hospitals beschäftigt die Kinderhilfe Bethlehem zurzeit sehr. Wie schätzen Sie die Bedeutung ein?

Es ist ein grosser Schritt gewesen, 30 Jahre nach der Einweihung des jetzigen Gebäudes mit der Erweiterung des Spitals zu beginnen. Ich freue mich, dass ein erster Abschnitt fertiggestellt ist und die ambulante Klinik ihren Dienst aufgenommen hat. Die Bautätigkeit ist für die Menschen in Bethlehem ein Signal, dass sie von uns nicht vergessen sind.

Was können wir Christen für die Menschen im Heiligen Land tun?

Schon Paulus bat um eine Kollekte für die Gemeinden im Heiligen Land. Auch heute leben viele Menschen im Heiligen Land unter schwierigen Bedingungen. Darum ist finanzielle Hilfe ein wichtiger Punkt unserer Unterstützung. Zugleich können wir Europäer unabhängiger und neutraler in dem Konflikt vermitteln. Gesprächsangebote, Begegnungen im Heiligen Land und auch hier in Europa sind ein wichtiges Zeichen, dass wir am Frieden festhalten. Wir Christen sind weltweit im Gebet verbunden und leben in der Hoffnung: Frieden ist möglich!

Vielen Dank für das Gespräch.

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Kinderhilfe Bethlehem, khb@caritas.de, Tel. 0761 200-314, Spendenkonten