Archiv

Charme-Alarm im Caritas Baby Hospital

Muhammed ist so ein Junge, den man sofort ins Herz schliesst.

Seine grossen schwarzen Augen, die leicht abstehenden Ohren, das Grübchen im Kinn und das verstrubbelte Haar. Wenn er lacht kommen die zwei kleinen Zähne am Unterkiefer zum Vorschein. Wen er sympathisch findet, bedenkt er mit einem Luftkuss. Charme-Alarm! Doch so goldig der Junge auch ist, seine Mutter ist in grosser Sorge um seine Gesundheit.

Schon bei der Geburt war er klein und schmächtig, brachte kaum mehr als zwei Kilo auf die Waage. Jetzt, ein Jahr später, mag er immer noch nicht recht an Gewicht zulegen, ist für sein Alter untergewichtig. Dabei isst er eigentlich gerne, wie seine Mutter versichert. Dass er nicht zunimmt liegt sicher auch an den heftigen Durchfällen, die den kleinen Jungen immer wieder plagen.

Muhammeds Eltern wussten nicht mehr weiter und entschlossen sich, mit dem Kleinen ins Caritas Baby Hospital zu fahren. Sie scheuten die Anreise von Dura, einem Dorf in der Nähe von Hebron, nach Bethlehem nicht, denn in dem Krankenhaus versprachen sie sich endlich professionelle Hilfe für ihren kleinen Frechdachs. Er wurde zur Kontrolle stationär aufgenommen. Verschiedene Tests sollten Klarheit bringen, woran der Junge leidet.  

Über diese lästigen Untersuchungen drückt Mohammed sein Missfallen lautstark aus. Nähert sich ein Arzt oder Mitarbeiter des Labors seinem Bettchen, beginnt er zu schreien. Seine Mutter versucht, ihn zu beruhigen, streichelt seine kleine Hand, spricht ihm gut zu. Nichts hilft. Solange ein Weisskittel in seiner Nähe ist, hört der Junge  nicht auf zu jammern. Meistens ist er danach so müde – nicht von den Untersuchungen, sondern vom Weinen, -  dass er erst mal eine Runde schläft. Verschnaufpause auch für die Mutter. Dann kann auch sie sich für einen Moment zurückziehen, sich hinlegen, denn solange ihr Sohn im Spital ist, übernachtet sie in der Mütterabteilung des Krankenhauses, um immer in seiner Nähe zu sein. „Anders wäre das gar nicht machbar, denn wir sind fast zwei Stunden hierher unterwegs, da kann ich nicht jeden Tag pendeln.“

Auf die Frage, ob Mohammed ihr erstes Kind sei, lacht die resolute Frau lauthals auf. Sie habe bereits sechs Söhne und zwei Töchter. Der jüngste war gerade zehn Jahre alt, als sich Mohammed als Nachzügler  ankündigte. Die Eltern sind stolz auf die Grossfamilie. Alle halten fest zusammen. Besonders jetzt, wo die Mutter mit dem kleinen Sorgenkind im Spital ist. Die 18-Jährige Tochter managt den Haushalt, unterstützt von den grossen Geschwistern. Dennoch ist jede und jeder froh, dass die Mutter mit dem kleinen Mohammed heute nach Hause darf.  

In einigen Tagen kommen sie erneut ins Caritas Baby Hospital, um die Testergebnisse zu besprechen, zu kontrollieren, ob er etwas an Gewicht zulegen konnte und ob alle Laborwerte nun wieder regulär sind. Auf jeden Fall konnte man schon mal verschiedene Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausschliessen. An der Ernährung liegt es wohl nicht, dass Muhammed nicht zunimmt. Die Ärzte haben eine Vermutung, aber sie wollen aber erst alle Resultate abwarten, bevor sie darüber mit den Eltern sprechen…