
Medizin im Austausch: Wie Partnerschaften Versorgung sichern
Ein komplexer Fall in der Neuropädiatrie
Es ist früher Morgen im Caritas Baby Hospital. Dr. Nader Handal, leitender Neuropädiater, sitzt mit seinem Team über den Unterlagen eines kleinen Patienten, dessen Symptome auf eine seltene Stoffwechselstörung hindeuten. Die Diagnose ist komplex, doch Dr. Nader Handal ist nicht allein.
Wenige Augenblicke später beginnt eine digitale Fallbesprechung mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Tübingen. Gemeinsam analysieren sie die Daten, vergleichen Erfahrungen, planen weitere Schritte. Die Familie des Kindes profitiert von einer ärztlichen Zweitmeinung – nur kommt sie in diesem Fall von etwas weiter her.
Internationale Netzwerke helfen
Die langjährige Partnerschaft mit der Neuropädiatrie des Universitätsklinikums Tübingen hat das Caritas Baby Hospital in den vergangenen Jahren zu einem führenden Zentrum für neurologische Kinderheilkunde in Palästina gemacht.

Der Austausch mit internationalen Partnern hilft Dr. Nader Handal bei komplizierten Fällen. © KHB/Archiv
Ein Austausch, der beiden Seiten nützt
Es finden monatliche Fallbesprechungen statt sowie digitale Vorträge und Symposien. Während das Team in Bethlehem von zusätzlicher Expertise profitiert, begegnen die Ärztinnen und Ärzte in Tübingen Krankheitsbildern, die in Europa kaum vorkommen. So entsteht ein Austausch, der beiden Seiten nützt und der jungen Patientinnen und Patienten im Caritas Baby Hospital direkt zugutekommt.
Auch neue Kooperationen setzen wichtige Impulse. Mit dem Gesundheitsdienst der Marca Trevigiana im italienischen Venetien stärkt das Caritas Baby Hospital seine neonatologische Versorgung. Beim jüngsten Besuch vermittelte eine Neonatologin aus Italien ihre Erfahrung in intravenöser Ernährung und spezialisierter Ultraschalldiagnostik. Ergänzend engagieren sich ein Schweizer Pneumologe oder ein Pädiater aus Padua mit regelmäßigen Fortbildungen vor Ort. „Ich sehe bei jedem Besuch, wie sehr die Fähigkeiten des Krankenhauses wachsen“, sagt der italienische Pädiater.

Dr. Ra'fat Allawi ist seit 2023 Chefarzt des Caritas Baby Hospitals. © KHB/Archiv
Als Bildungskrankenhaus wird das Wissen mit der Gesellschaft geteilt
Damit Wissen nachhaltig wirkt, muss es geteilt werden. Als akkreditiertes Lehrkrankenhaus des Palästinensischen Medizinalrats bildet das Caritas Baby Hospital jährlich zehn Assistenzärztinnen und -ärzte von der Intensivmedizin bis zur Neuropädiatrie aus. Studierende lokaler Universitäten erhalten in der Kinderklinik ihre klinische Ausbildung in Pädiatrie, aber auch in Krankenpflege, Labormedizin, Physiotherapie oder Sozialarbeit. In Zusammenarbeit mit der Bethlehem University spielt zudem das genetische Screening eine wachsende Rolle, wodurch seltene Erkrankungen früher erkannt werden können.
„Nur im engen Austausch mit internationalen und lokalen Partnern können wir die bestmögliche medizinische Versorgung in Palästina bereitstellen.“
Chefarzt Dr. Ra’fat Allawi
Mit dem geplanten Ausbau der Tageschirurgie steht das Caritas Baby Hospital vor einem wichtigen Schritt. Die Weiterbildung des chirurgischen Pflegepersonals bei der Irish Nurses and Midwives Organization in Dublin ist bereits abgeschlossen. Nun sucht das Krankenhaus weitere Partner, um modernste Standards in Anästhesie und pädiatrischer Chirurgie einzuführen. Für Chefarzt Dr. Ra’fat Allawi ist klar: „Nur im engen Austausch mit internationalen und lokalen Partnern können wir die bestmögliche medizinische Versorgung in Palästina bereitstellen.“














