Zehn Jahre Freundschaft

Zehn Jahre Freundschaft


Seit dem 19. Juni 2010 engagiert sich in Deutschland eine Initiative regelmäßig und tatkräftig für das Kinderkrankenhaus in Bethlehem – die Freunde des Caritas Baby Hospital. Zum 10-jährigen Jubiläum sprach die Kinderhilfe Bethlehem mit dem Gründer Pater Dr. Wilfried Dettling SJ.

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum Pater Dettling: Wie kam es vor zehn Jahren zur Gründung Ihrer Initiative? 

Der konkrete Anlass liegt weit vor der eigentlichen Gründung. 1989 war ich im Rahmen meines Studiums in Palästina. Dort lernte ich das Caritas Baby Hospital kennen. Zwei Dinge haben mich damals sehr berührt. Zuerst eine Aussage vom Gründer des Kinderkrankenhauses Pater Ernst Schnydrig: „Am Geburtsort Jesu soll zukünftig keinem Kind medizinische Hilfe verwehrt bleiben“. Zweitens ist es die Ausrichtung des Krankenhauses. Im Baby Hospital wird nicht auf den religiösen, sozialen oder kulturellen Hintergrund der Patienten geschaut, sondern ausschließlich auf die Not und die Leiden der Kinder, die es zu lindern und zu heilen gilt. Danach verging etwas Zeit, in der ich immer wieder in Bethlehem zu Besuch war. 2007 machte ich dann im Rahmen meiner Ordensausbildung ein vierwöchiges Praktikum als Hilfspfleger im Caritas Baby Hospital. Die Erfahrungen, die ich damals gemacht habe, waren für mich sehr bewegend. Sie bestärkten mich, die Idee weiter zu verfolgen, das Krankenhaus zukünftig zu unterstützen. 

Was waren Ihre Tätigkeiten als Hilfspfleger? 

Im Grunde alles, was angefallen ist. Ich bin morgens gekommen und habe mit den Kindern gespielt, Windeln gewechselt und die Patientinnen und Patienten gewaschen. Zudem habe ich in der Physiotherapie ausgeholfen und im Rahmen der Sozialstation bedürftige Familien außerhalb der Klinik besucht. Ich habe dadurch einen sehr guten Einblick in die professionelle Arbeit erhalten, die im Baby Hospital geleistet wird. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar. 

In den letzten zehn Jahren hat Ihre Initiative eine Vielzahl an Spenden sammeln können. Mit welchen Aktivitäten haben Sie das geschafft? 

Auf unserem Flyer und der Internetseite nennen wir drei Säulen unseres Engagements: materielle und ideelle Unterstützung des Krankenhauses; Bekanntmachen des Spitals und der Arbeit und der Sensibilisierung für die Situation der Christinnen und Christen im Heiligen Land. Dafür veranstalten wir Vorträge in Gemeinden, Akademien, Schulen und für Institutionen, die bei uns anfragen. Immer wieder können wir dafür auch die Chefärztin, Dr. Hiyam Marzouqa gewinnen. Zudem haben wir auch immer wieder kulturelle Veranstaltungen organisiert. Ein Highlight war eine Ausstellung über das Kinderkrankenhaus, die wir gemeinsam mit der katholischen Hochschulgemeinde in Erlangen veranstaltet haben. Ein Anliegen, das uns aktuell am Herzen liegt, ist die Vernetzung von Initiativen und Personen, die sich für das Kinderkrankenhaus engagieren oder engagieren wollen. Auf unserer Internetseite haben wir hierzu eine „Landkarte“ eingerichtet, auf die wir Initiativen aufnehmen, um den Verantwortlichen die Möglichkeit zu bieten, Kontakt miteinander aufzunehmen.

Vortrag von Chefärztin Dr. Hiyam Marzouqa im Rahmen der Ausstellungseröffnung in Erlangen.

Die Freunde des Caritas Baby Hospitals gemeinsam mit der Chefärztin des Kinderkrankenhauses Dr. Hiyam Marzouqa (2. v. l.).

Gründer der Freunde des Caritas Baby Hospitals Pater Dr. Wilfried Dettling SJ.

Welche Frage wird Ihnen bei Informationsveranstaltungen am häufigsten gestellt? 

Oft werde ich gefragt: Man kann so viele Initiativen und Projekte unterstützen, warum engagieren Sie sich gerade für das Caritas Baby Hospital in Bethlehem? 

Und was antworten Sie? 

Ich antworte: Das stimmt und schließt ein Engagement für das Baby Hospital mit ein. Gott ist in Bethlehem in einem Kind mit Namen Jesus Mensch geworden. An diesem Ort gibt es ein einzigartiges Krankenhaus für Kinder. Das ist für uns eine Brücke. Neben dem konkreten Engagement für die Kinder in Bethlehem und in Palästina ist das Engagement für uns aber auch ein Zeichen der Solidarität mit den Christen im Heiligen Land, dem Ort, wo Gott eben Menschen geworden ist. Dort können wir einen Beitrag aus unserem christlichen Selbstverständnis heraus leisten. 

Was ist für sie das Besondere am Caritas Baby Hospital? 

Dass an diesem Ort die notleidenden Kinder im Mittelpunkt stehen. Genau darauf konzentrieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Strukturen und das vorhandene Geld für die Behandlungen sind natürlich auch wichtig. Aber an erster Stelle stehen ausschließlich die Kinder. Zudem beeindruckt mich die Offenheit von diesem religiös geführten Haus. Der interreligiöse Dialog vor Ort funktioniert richtig gut, weil man sich gemeinsam über religiöse Grenzen hinweg für Menschen in Not einsetzt. Außerdem schafft das Krankenhaus auch Arbeitsplätze in der Region und damit konkrete Zukunftsperspektiven. Das Caritas Baby Hospital ist neben der Universität Bethlehem der zweitgrößte Arbeitgeber. Das alles ist in seiner Gesamtheit eine beeindruckende Realität. 

Was wünschen Sie sich für die kommenden zehn Jahre für das Kinderkrankenhaus in Bethlehem? 

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es weiterhin so viele Menschen gibt, die das Caritas Baby Hospital unterstützen. Denn letztendlich ist es so: Nur durch Spenden kann diese wunderbare Arbeit im Heiligen Land fortgesetzt und dadurch sowohl Kindern als auch ihren Familien Hoffnung geschenkt werden. Weiterhin wünsche ich mir, dass die Menschen in Bethlehem und Palästina spüren und erfahren, dass andere an sie denken, sich für sie einsetzen und im Gebet mit ihnen verbunden sind.  
 

In den zehn Jahren konnte die Initiative über 150.000 Euro Spenden durch ihre Arbeit akquirieren. Weitere Informationen zu der Arbeit und den Aktionen der Freunde des Caritas Baby Hospitals finden Sie unter www.freunde-cbh.de.

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