„Ihr habt vielleicht ein paar Kinder, aber ich habe ganz, ganz viele!"

„Ihr habt vielleicht ein paar Kinder, aber ich habe ganz, ganz viele!"


Vier indische Ordensschwestern der Suore di Carità arbeiten im Caritas Baby Hospital. Darunter Schwester Aleya Kattakayam, die auf langjährige Erfahrung in der Betreuung von Müttern und Neugeborenen zurückblicken kann. Im Interview verrät sie, wie sie nach Bethlehem kam.

Ein Interview von Richard Asbeck

Guten Tag, Schwester Aleya Kattakayam, wie geht es Ihnen?

Gut, vielleicht noch ein bisschen müde. Ich komme nämlich gerade aus Jerusalem. Ich durfte mit einer Gruppe von Schwestern die ganze Nacht in der Grabeskirche verbringen, von neun Uhr abends bis sechs Uhr in der Früh.

Fahren Sie da häufiger hin?

Also, die Nacht in der Grabeskirche war schon etwas Besonderes für mich. Aber mit meinem ausländischen Pass bin ich privilegiert. Ich komme in der Regel ohne Probleme durch die Grenzkontrollen. Die meisten meiner palästinensischen Kolleginnen und Kollegen können das allerdings nicht. Manche haben die Grabeskirche und andere heilige Stätten in Jerusalem noch nie gesehen – dabei sind die fast nur einen Steinwurf von uns in Bethlehem entfernt.

Können Sie kurz beschreiben, wie Sie nach Bethlehem kamen?

„Kurz“ ist schwierig, aber vielleicht so viel: Ich komme aus Kerala in Indien. Nach der Schule bin ich in Hyderabad im Bundesstaat Andhra Pradesh einem christlichen Orden beigetreten, den Suore di Carità. Ich war in der ersten Ausbildungsgruppe der Krankenpflegeschule unserer Ordensgemeinschaft. Diese Ausbildung hat mich in viele Krankenhäuser geführt – innerhalb Indiens, nach Mailand, dann nach Nazareth und schließlich nach Bethlehem.

Welche Funktion und Rolle haben Sie im Caritas Baby Hospital?

Insgesamt sind wir vier indische Ordensschwestern, die im Kinderkrankenhaus dienen. Ich bin die Einzige, die in der Mütterabteilung tätig ist. Diese Abteilung hilft Müttern von kranken Kindern, die gerade stationär im Krankenhaus behandelt werden. Viele Mütter brauchen Ruhe und wollen trotzdem bei ihren Kindern sein. Die Mütterabteilung hilft daher beiden, denn Mütter und Kinder können sich sehen, wann immer sie wollen. Unsere Abteilung bietet ein ganzheitliches Programm aus Vorträgen, praktischen Vorführungen und Gruppengesprächen, in denen man erfährt, worauf es bei der Versorgung von Kindern am meisten ankommt.

Die meisten Familien sind muslimischen Glaubens. Wie ist das, wenn sie einer christlichen Ordensschwester aus Indien begegnen?

Schon etwas erklärungsbedürftig: Die meisten kennen das Konzept einer Ordensfrau gar nicht und fragen, warum ich nicht verheiratet bin und warum ich keine Kinder habe. Ich antworte dann immer: Ihr habt vielleicht ein paar Kinder, aber ich habe ganz, ganz viele! Sie spüren dann sehr schnell, dass meine Mitschwestern und ich für sie da sind. Sie freuen sich über die menschliche Nähe, das Mitgefühl, eine tröstende Hand auf der Schulter. Und wenn wir dann ihre Kinder bewundern, sind die meisten sichtbar stolz.

Was hat sich für Sie nach dem Ausbruch des Gaza-Krieges verändert? 

Persönlich bin ich, wie gesagt, wenig betroffen, obwohl mir deren Schicksal sehr nahe geht. Allerdings sehe ich, wie sehr Land und Leute auch hier im Westjordanland leiden. Viele Familien haben Arbeit und Einkommen verloren. Und niemand sieht am Horizont irgendeine Besserung.

Welche Hoffnung spüren Sie nach der Papstwahl?

Allen ist klar, was sich gerade in Palästina abspielt. Das Ausmaß an Krieg und Gewalt ist bekannt und wird überall wahrgenommen.


Hintergrundinformationen

Wie kamen die Schwestern nach Bethlehem?

Die vier Ordensschwestern des franziskanischen Ordens „Congregazione delle Suore di Carità delle Sante B. Capitanio e V. Gerosa“, mit Mutterhaus in Mailand, arbeiten seit 2021 im Caritas Baby Hospital. Die „Sisters of Charity“ sind auf fast allen Kontinenten tätig. 

„Hier wurde Jesus geboren. Hier wollen wir für die kranken Kinder da sein 

und für all die Menschen, die unter der Situation leiden und Unterstützung brauchen. 

Wir sind hier im Dienste der Nächstenliebe.“

Schwester Aleya  auf die Frage, warum sie ausgerechnet von Indien nach Palästina gekommen sind. 

Für die ausgebildeten Krankenschwestern war es ein lang gehegter Traum in Bethlehem zu leben, weil es für Christinnen und Christen ein wichtiger Ort ist. Die vier Schwestern kommen im Kinderkrankenhaus in verschiedenen Abteilungen zum Einsatz: Die Oberin unterstützt das Team in der Mütterabteilung, die drei andern, wechseln die Abteilungen manchmal. Zweimal pro Woche nehmen die Schwestern Arabischunterricht, damit sie sich mit Patienten und ihren Eltern besser verständigen können. „Wir wurden unglaublich warm empfangen“, erzählt Schwester Aleya, „von den Mitarbeitenden, Patienten, Müttern, beim Einkaufen in der Stadt. Die Menschen hier sind sehr freundlich zu uns und zeigen uns viel Sympathie.“

Die Schwestern in Aktion

Vier indische Schwestern für das Kinderkrankenhaus

„Die Präsenz der Schwestern bringt eine besondere Stimmung in unser Kinderkrankenhaus“, stellt Klinikdirektor Issa Bandak fest.

Indische Ordensschwestern versorgen ein Kleinkind

In verschiedenen Abteilungen unterstützen die Schwestern mit ihrer fachlichen Expertise in der Kinderpflege.


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