Gesundheitswissen, das Schule macht

Gesundheitswissen, das Schule macht


Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem hilft Kindern nicht nur im Krankheitsfall. Es bringt Gesundheitswissen direkt in die Schulen. Dort lernen Kinder und Jugendliche, ihren Körper besser zu verstehen, achtsam mit sich selbst umzugehen und Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Das Caritas Baby Hospital wirkt über die Klinikmauern hinaus

Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem ist das einzige spezialisierte Kinderkrankenhaus im Westjordanland. Doch seine Arbeit endet nicht an den Klinikmauern. Seit vielen Jahren engagiert sich die Kinderklinik auch in der Gesundheitsbildung.

Ein wichtiger Teil dieser Arbeit findet direkt in den Schulen Bethlehems statt. Dort werden Kinder und Jugendliche frühzeitig für wichtige Gesundheitsthemen sensibilisiert. Sie erhalten Wissen, das ihnen im Alltag hilft. Und sie bekommen Raum für Fragen, die sie sonst oft nicht stellen.

Aufklärung an Schulen in Bethlehem

Seit mehr als zehn Jahren bietet das Caritas Baby Hospital Aufklärungsarbeit an palästinensischen Schulen an. Aktuell finden Workshops des Programms „Bulugh“, auf Deutsch „Pubertät“, an 14 der 22 Schulen Bethlehems statt.

Das Programm richtet sich an Jugendliche in einer sensiblen Lebensphase. Viele Schülerinnen und Schüler erleben körperliche und emotionale Veränderungen. Gleichzeitig fällt es ihnen oft schwer, offen darüber zu sprechen.

„Viele Jugendliche haben Fragen zu ihrem Körper und Gefühlen, die sich plötzlich irgendwie ändern. Aber sie sind oft zu schüchtern, darüber zu sprechen“, sagt Milad Azar, In-Service- und Community-Koordinator des Caritas Baby Hospital.

Die Workshops schaffen deshalb einen geschützten Rahmen. Dort können die Jugendlichen offen Fragen stellen. Fachpersonen des Caritas Baby Hospital geben verständliche und verlässliche Antworten.

„Viele Jugendliche haben Fragen zu ihrem Körper und Gefühlen, die sich plötzlich irgendwie ändern. 

Aber sie sind oft zu schüchtern, darüber zu sprechen.“

Milad Azar, In-Service und Community Koordinator

Ein sicherer Raum für sensible Fragen

Die Workshops werden nach Geschlechtern getrennt durchgeführt. Das hilft den Jugendlichen, sich wohler zu fühlen. Sie können freier sprechen und ihre Fragen leichter stellen. „So können meine Kolleginnen und ich eine viel entspanntere Atmosphäre herstellen“, sagt Milad Azar.

Das Programm ist fest in den Unterrichtsplan der teilnehmenden Schulen eingebettet. Es ist damit für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Für die Workshops sind jeweils zwei Unterrichtseinheiten von einer Stunde vorgesehen. Die Schulen nehmen das Angebot sehr positiv auf. Gerade bei sensiblen Themen wie Pubertät und Sexualität ist die Begleitung durch geschulte Fachpersonen besonders wichtig.

Tamara, Sozialarbeiterin an der griechisch-orthodoxen Schule in Beit Sahour bei Bethlehem, sagt: „Gerade bei sensiblen Themen wie Pubertät und Sexualität ist es wertvoll, wenn geschulte Fachpersonen mit den Jugendlichen arbeiten.“

Gesundheit, Respekt und Selbstwahrnehmung lernen

Aus der langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Caritas Baby Hospital und den Schulen ist viel Vertrauen entstanden. Das zeigt sich auch an weiteren Anfragen aus den Schulen. Vor drei Jahren wandte sich eine Schule aus Beit Sahour an das Kinderkrankenhaus. Sie bat um Unterstützung im Einsatz gegen Mobbing.

„Die Schulen sind häufig überfordert“, sagt Milad Azar. „Mobbing findet auch außerhalb des Schulgeländes statt. Oder im digitalen Raum. Da ist ein externer Ansprechpartner sehr willkommen.“ 

Als Antwort entwickelte das Caritas Baby Hospital das Programm „Health School“. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klasse. In zwölf Unterrichtseinheiten beschäftigen sich die Jugendlichen mit Themen wie Selbstwahrnehmung, respektvolle Umgangsformen und persönliche Grenzen.

Die Jugendlichen lernen, Konflikte frühzeitig zu erkennen. Sie erfahren, wie sie verantwortungsvoll damit umgehen können. So stärkt das Programm nicht nur die Gesundheit, sondern auch das soziale Miteinander.

Junge Botschafterinnen und Botschafter für Gesundheit

Um Gesundheitswissen noch stärker im Schulalltag zu verankern, hat das Caritas Baby Hospital ein weiteres Programm gestartet: das „Caritas Baby Hospital Schools Health Ambassadors Programme“. Daran nehmen 50 Schülerinnen und Schüler aus sechs Schulen teil. Sie treffen sich einmal pro Woche. Gemeinsam beschäftigen sie sich mit Themen wie Krankheitsprävention, Wohlbefinden von Jugendlichen und einem gesunden Lebensstil.

Das Besondere an diesem Programm: Die Jugendlichen geben ihr Wissen selbst weiter. Sie organisieren eigene Veranstaltungen an ihren Schulen. So kommen Gesundheitstipps und Empfehlungen direkt von Schülerinnen und Schülern zu Schülerinnen und Schülern. Das macht die Inhalte besonders nahbar. Denn junge Menschen hören oft anders zu, wenn Gleichaltrige mit ihnen sprechen.

Gesundheitsbildung eröffnet Zukunftsperspektiven

Die Programme des Caritas Baby Hospital stärken Kinder und Jugendliche in Bethlehem. Sie vermitteln Wissen, fördern Selbstvertrauen und schaffen neue Perspektiven. Manche Teilnehmende entdecken durch die Angebote sogar ein besonderes Interesse am Gesundheitsbereich. So auch Shada, Schülerin der Saint-Joseph-Schule in Bethlehem.

„Ich fand es total spannend, einmal den Klinikbetrieb von innen zu sehen. Wo kann ich das sonst tun?“, sagt sie. „Ich kann mir gut vorstellen, nach der Schule Krankenpflege zu studieren.“

So leistet das Caritas Baby Hospital weit mehr als medizinische Versorgung. Es begleitet Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in ein gesundes und selbstbestimmtes Leben. Und es zeigt: Gesundheitswissen kann Zukunft verändern.


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