
Herpes durch Kuss: Wie Rana an einer Gehirnentzündung erkrankte
Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) verursacht bei Erwachsenen meist nur milde Beschwerden, kann bei Kleinkindern jedoch zu schweren Infektionen führen. So auch bei der 15 Monate alten Rana Abu Allan aus Al-Thahariyeh, südlich von Hebron.
Wie Herpes durch einen Kuss übertragen werden kann
Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 wird vor allem durch engen Kontakt mit infizierten Personen übertragen, beispielsweise beim Küssen. Besonders ansteckend ist das Virus, wenn sichtbare Lippenherpesbläschen vorhanden sind. Eine Übertragung ist aber auch ohne erkennbare Symptome möglich.
Während eine Herpesinfektion bei Erwachsenen häufig mild oder sogar unbemerkt verläuft, kann sie bei Babys und Kleinkindern schwerwiegende Folgen haben. In seltenen Fällen kann das Virus das Gehirn befallen und dort eine Entzündung auslösen.
Wie kann Herpes bei Kindern eine Gehirnentzündung auslösen?
Eine Gehirnentzündung durch Herpes wird als Herpes-simplex-Enzephalitis oder HSV-Enzephalitis bezeichnet. Sie entsteht, wenn Herpesviren das zentrale Nervensystem erreichen und eine Entzündung des Gehirngewebes verursachen.
Zu den möglichen Symptomen gehören hohes Fieber, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Erbrechen, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen. Eine HSV-Enzephalitis ist ein medizinischer Notfall: Ohne schnelle Behandlung kann die Erkrankung schwere neurologische Schäden verursachen oder tödlich verlaufen.
Eine Gehirnentzündung durch Herpes: Ranas Diagnose
Als Ranas Mutter Nagham (25) Rana ins Caritas Baby Hospital brachte, standen die Ärzte zunächst vor einem Rätsel. Das Mädchen litt an hohem Fieber, war außergewöhnlich schläfrig und übergab sich wiederholt. Die Ergebnisse ihrer Bluttests waren jedoch unauffällig.
Eine Lumbalpunktion sollte Klarheit schaffen. Bei dieser Untersuchung wird Nervenwasser (Liquor) aus dem Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen und auf Krankheitserreger sowie Entzündungszeichen untersucht. Das Gehirn ist von der gleichen Flüssigkeit umgeben. So lässt sich unter anderem eine HSV-Enzephalitis diagnostizieren.
Das Caritas Baby Hospital ist eine der wenigen medizinischen Einrichtungen in Palästina, die diese spezielle Untersuchung durchführen können.
Schnelle Behandlung der HSV-Enzephalitis rettet Rana
Noch bevor die Untersuchungsergebnisse vorlagen, ordnete der behandelnde Arzt, Issa Abed-Rabbo, eine gezielte Therapie bei Verdacht auf HSV-Enzephalitis an. Sein schnelles Handeln rettete dem Mädchen das Leben und verbesserte ihre Chancen, ohne bleibende neurologische Beeinträchtigungen gesund zu werden.
„Ein simpler Kuss ihrer Tante hätte zum Verhängnis für meine Tochter werden können.“
Nagham Abu Allan, Ranas Mutter
„Gehirnentzündungen beschädigen Hirnzellen extrem schnell. Normalerweise sterben die Kinder an HSV-Enzephalitis oder sie verlassen das Krankenhaus mit einer geistigen Behinderung“, berichtet der Arzt.
Rana hatte großes Glück: Nach zwei Tagen stabilisierte sich ihr Zustand. Abed-Rabbo ist zuversichtlich, dass sich ihr Gehirn wieder erholen wird.
Auch Ranas Mutter ist erleichtert: „Ein simpler Kuss ihrer Tante hätte zum Verhängnis für meine Tochter werden können. Dank dem schnellen Handeln im Caritas Baby Hospital ist sie nun auf dem Weg zur Heilung.“
Medizinische Hilfe für Kinder unterstützen:
Mit einer Spende an die Kinderhilfe Bethlehem können Sie kranke Kinder wie Rana direkt unterstützen.














