
„Kinder ertragen mehr als sie sollten“
Wie erleben Sie die Situation der Kinder in Palästina?
Die psychische Belastung von Kindern in Palästina ist derzeit sehr hoch. Viele wachsen in einem Umfeld auf, das von Unsicherheit und belastenden Erfahrungen geprägt ist. Das beeinflusst ihr Wohlbefinden, ihre Beziehungen und ihre Entwicklung. Kinder brauchen Sicherheit und verlässliche Strukturen. Stattdessen übernehmen viele schon früh Verantwortung und wirken jung, aber gleichzeitig alt an Erfahrungen.
Wie wirkt sich die Situation auf die Kinder aus?
Viele Kinder lernen, Gefühle wie Angst, Traurigkeit oder Wut zu unterdrücken. Sie fühlen sich unter Druck, stark, geduldig und widerstandsfähig sein zu müssen. Dies kann ihre psychische und emotionale Entwicklung beeinträchtigen.
Beobachten Sie Veränderungen in den letzten Jahren?
Ja. Immer häufiger zeigen Kinder emotionale Schwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten. Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Ängste haben zugenommen. Manche Kinder ziehen sich zurück, andere reagieren aggressiv.
Woran liegt diese Entwicklung?
Kinder brauchen Sicherheit, um Emotionen zu regulieren und gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Heute erleben viele Kinder ein kontinuierliches Trauma. Checkpoints, militärische Operationen und Razzien prägen ihren Alltag. Viele unterdrücken ihre Gefühle, weil sie glauben, stark sein zu müssen. Später zeigen sich emotionale Schwierigkeiten oder körperliche Symptome.
Welche langfristigen Folgen kann das haben?
Chronischer Stress kann die soziale, emotionale, kognitive und körperliche Entwicklung negativ beeinflussen. Besonders besorgniserregend sind Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Frühe Intervention hilft Kindern, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Das Interview führte Shireen Khamis, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit im Caritas Baby Hospital











